
Vom 22. Oktober bis 22. November 2026 präsentiert die Gruppe Club Collega Bremen die Ausstellung First Cut im Kunstbüro 239, Schwachhauser Heerstr. 239, Bremen.
Ausstellung
Katrin Adler, Anja Bieder, Wigmar Bressel, Birthe Cil, EMTI, Frauke Hentschel, Tine Hoff, LaLoocka, Heike Seyffarth und Andrea Wehrhahn zeigen zeitgenössische Collagen
Vernissage: Donnerstag, 22. Oktober 2026, 19 Uhr
Begrüßung: Heike Seyffarth, Club Collega Bremen
Ausstellung: 22. 10. – 22.11. 2026
Ort: Kunstbüro 239, Schwachhauser Heerstr. 239, Bremen
Öffnungszeiten:
22.10.26: 18 – 21 Uhr
25.10.26: 14 – 18 Uhr (mit Heike)
01.11.26: 14 – 18 Uhr (mit Wigmar)
08.11.26: 14 – 18 Uhr (mit Anja)
15.11.26: 14 – 18 Uhr mit Frauke)
22.11.26: 14 – 18 Uhr (mit Katrin und Andrea)
… sowie nach Vereinbarung über heike.seyffarth (at) gmx.de
Anfahrt: Bus 22 oder 22E, Tram 1, 4, 10, 1E, 4E, 6E oder 1S. Parken ist für 2 Stunden mit Parkscheibe auf dem REWE-Parkplatz möglich. Auf dem Grundstück des Kunstbüros selbst gibt es leider keine Parkmöglichkeiten.
Begleitveranstaltungen
Collage-Workshop I: Sonntag, 25. Oktober 2026, 14 – 18 Uhr mit Heike. Einfach vorbeikommen und mitmachen! Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Collage-Workshop II: Sonntag, 22. November 2026, 14 – 18 Uhr mit Andrea & Katrin. Einfach vorbeikommen und mitmachen! Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Ausstellende
Ausstellungsrundgang
Eröffnungsfotos















Collage-Workshop am 25.Oktober 2026

Club Collega
Initiiert im Umfeld des Berliner Museums Haus des Papiers, hat sich aus dem Club Collega ein dynamisches internationales Netzwerk entwickelt. Eigenständige Regionalgruppen in vielen Ländern arbeiten im selben kreativen Geist. Die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler schlagen eine Brücke von Handarbeit mit Papier, Kleber und Schere bis hin zum modernen, digitalen Remix am Computer. Was sie eint, ist die absolute Freiheit des Mediums, denn in der Collage ist fast alles erlaubt.
Details zu den Künstler:innen
Katrin Adler (mehr lesen)




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Tini Emde (EMTI) (mehr lesen)



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Tine Hoff




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Artikel im Weser-Report vom 17. Oktober 2026

Collage-Statements der Künstler:innen
Andrea Wehrhahn
Wie bist du zur Collage gekommen?
Durch mein Kunst Studium an der Universität Bremen.
Was fasziniert dich an Collage?
Ich habe schon mein Leben lang meine Gedanken in Fragmenten und Bildern aufgemalt und aufgeklebt und aufgekritzelt. Mittlerweile gibt es verschiedene Wörter dafür: es sieht aus wie irgendwas zwischen Collage und Sketchnoting – das war mir als jüngerer Mensch aber noch nicht klar.
Mit welchen Materialien arbeitest du oder wo findest du sie?
Ich upcycle zumeist Materialien, wie ausrangierte Magazine mit hochwertigem Druck, alte Papiere, Pappen und Bücher aus Fundkisten. Ich liebe transparente Papiere wie Butterbrotpapier oder Verpackungsmüll (Krepppapiere oder Seidenpapiere) und manchmal schenken mir Menschen auch Papiere, weil sie die aus irgend einem Grund mit mir in Verbindung bringen. Und ich bedrucke, bemale, zerknittere oder verändere die Papiere manchmal gerne zusätzlich.
Was ist dein Lieblingskleber?
Glänzendes Acryl Bindemittel von Schminke oder Uhu Colle Universelle plus glänzendes Fixativum
Entstehen deine Arbeiten geplant oder spontan?
Beides. Ich hab meistens einen groben Plan, weil mich ein Thema beschäftigt. Dann fange ich an, meine Papiere zu sichten und zusammenzustellen – und dabei entwickelt sich dann aber manchmal auch etwas ganz anderes. Irgendetwas, das tief aus mir herauskommt und das ich schlecht beeinflussen kann.
Sind deine Arbeiten eher analog oder digital?
Ich arbeite in der Regel und vor allem zur Zeit analog. Ich liebe das Reißen und schneiden und kleben und machen mit den Händen. Aber ich arbeite durchaus auch manchmal digital.
Wie beschreibst du deinen Stil?
Intensiv, roh, direkt, schrill, fantastisch, rätselhaft, kontrastierend, Ordnung-ins-Chaos-bringend, anarchistisch, punkig, kreativ, anregend, …eigenartig im positiven Sinn..
Wer oder was inspiriert dich?
Wie definierst du deinen persönlichen Begriff von Kunst?
Ich war schon immer fasziniert von der Idee Anarchie in der ursprünglichen Bedeutung. Nämlich, dass alle Menschen frei und gleich sind. Entgegen der heutigen Alltagssprache, in der das Wort oft mit Chaos oder Gesetzlosigkeit gleichgesetzt wird, beschreibt der Begriff im philosophischen und politischen Sinne einen Zustand der Freiheit und freiwilligen Kooperation, in dem kein Mensch Macht über einen anderen ausübt. Kunstrichtungen die das für mich repräsentieren sind für mich „Art Brut“ und „DADAISMUS“. Vor allem mit Künstler:innen des Dadaismus, Art Brut und Surrealismus (wie z.B. Hannah Höch, Sophie Taeuber-Arp, Eileen Agar, Max Ernst oder auch August Walla) habe ich mich im Kunststudium intensiver beschäftigt. Die weibliche Sicht der Dinge, die ja im Rahmen der Kunstgeschichte häufig hinten runter gefallen ist, interessiert mich. Was im Schatten entsteht. Und um das heute immer noch gerungen wird. Spannend fand ich meistens die Neu-Komposition von Bildern und das damit einhergehende in einen anderen Kontext setzen und eine andere Aussage produzieren.
Collage ist also die Technik meiner Wahl, um gesellschaftskritische, satirische aber auch unbewusste, traumhafte oder unlogische Bildwelten zu kreieren. Ich nehme Elemente aus ihrem ursprünglichen, logischen Zusammenhang heraus und lasse durch die Neuordnung
auf dem Bildträger völlig neue Bedeutungen, Kontraste oder am Liebsten: visuelle Geschichten entstehen.
Was sagst du zu KI in der Kunst?
Finde ich oft blöd. Viele Sachen sehen zu glatt und leblos aus. Manchmal kommt die Maschine allerdings auf außergewöhnliche Ideen, die meine Sehgewohnheiten irritieren – das ist etwas was ich spannend finde. Aber grundsätzlich bin ich für einen Prozess in der Kunst, und für das was das Schöpferische und Schöpfende mit den Künstler:innen und den Betrachter:innen macht. Und das ist zutiefst menschlich und geht auch nur nur menschlich.
Frauke Hentschel
Wie bist du zur Collage gekommen
Ursprünglich habe ich Skulpturen aus Holz gefertigt. Über den Weg zu Papierskulpturen bin ich vor etwa einem Jahr auf Collagen und Mixed Media gestoßen.
Schöne Papiere haben mich schon immer umgeben.
Was fasziniert dich an Collagen ?
Ich tauche ein in einen Pool aus einer Vielzahl von Papierarten. Große und kleine Schnipsel die darauf warten in einem neuen Gesamtbild zusammengefügt zu werden.
Grobe und feine Strukturen, Farben von „laut bis leise“, die vielen Möglichkeiten der Gestaltung auch mit anderen Materialien erzeugen immer wieder neue Spannungen.
Mit welchen Materialien arbeitest du und wo findest du sie ?
Von alten Büchern über neue und alte Zeitschriften, Verpackungsmaterial , Fotos, Postkarten und aktuellen Flyern ist alles dabei. Außerdem stelle ich auch immer mal wieder eigene Collagepapiere her.
Ich stöbere in Vintageläden, auf Flohmärkten, im Urlaub und freue mich über Mitbringsel von Freunden. Alles was ich sehe wird auf „Collagetauglichkeit“ geprüft.
Wie beschreibst du deinen Stil ?
Ich probiere zur Zeit alles aus. Meine analogen Arbeiten sind mal verspielt, dann wieder klar und minimalistisch. Mal mit Stoff, Farbe und Tinte, dann wieder klassisch nur mit Papier.
Wie definierst Du Deinen persönlichen Begriff von Kunst ?
Die Freiheit seine Emotionen und Gedanken über jedes Thema in jeglicher Form kreativ umzusetzen.
Birthe Cil
Wie bist du zur Collage gekommen?
Durch Zufall bin ich zur Collage gekommen. Im Nachhinein muss ich jedoch sagen, dass es vielleicht doch nicht nur Zufall war. Meine Liebe zu Papier, Worten, Texten, Literatur, Büchern und Kunst hat mich schließlich auch zu meiner Studienwahl geführt: Französische und Deutsche Literatur sowie Kunstgeschichte. In der Collage kann ich all diese Leidenschaften auf schöpferische Weise miteinander verbinden.
Was fasziniert dich an Collage?
An der Collage fasziniert mich die Möglichkeit, aus bereits vorhandenem Material etwas völlig Neues zu erschaffen. Außerdem liebe ich das Handwerkliche daran: die Prozesse des Schneidens, Arrangierens und Klebens. Auch das Sammeln von Material gehört für mich dazu. Ich liebe altes Papier in jeglicher Form!
Mit welchen Materialien arbeitest du oder wo findest du sie?
Ich arbeite hauptsächlich mit gefundenen Vintage-Materialien: alten Büchern, Zeitschriften, Fotografien, Notenblättern und Papieren, die bereits eine eigene Geschichte mitbringen. Ich finde sie auf Flohmärkten, in Antiquariaten, auf der Straße oder bekomme sie geschenkt.
Entstehen deine Arbeiten geplant oder spontan?
Meine Arbeiten entwickeln sich aus der Beschäftigung mit dem vorhandenen Material. Dabei spielt der Zufall eine ebenso große Rolle wie die Intuition. Ich plane nichts, sondern lasse mich vom Prozess leiten. Dabei achte ich auf Farbkombinationen, die Herkunft und Materialität des Papiers und das Zusammenspiel von Bildern, Texten, Formen und Schichten.
Wie beschreibst du deinen Stil?
Konzeptuell, regellos, unkonventionell, ästhetisch, poetisch oder direkt. Kann alles sein.
Wer oder was inspiriert dich?
Das Leben in all seinen Facetten.
Wie definierst du deinen persönlichen Begriff von Kunst?
Perspektivenwechsel schöpferisch gestalten.
Tini Emde
Was fasziniert dich an Collage?
Dass Dinge zusammenkommen, die eigentlich gar nicht füreinander gedacht waren. Plötzlich entsteht eine neue Geschichte, eine Stimmung oder eine ganz andere visuelle Welt. Ich mag das Spiel mit Kontrasten, Farben und überraschenden Kombinationen.
Entstehen deine Arbeiten geplant oder spontan?
Der Kern der Bildidee steht meistens schon fest. Wie sich das Bild dann entwickelt, ist ein Mix aus Plan und Bauchgefühl. Aufbau, Details und Farbigkeit verändern sich oft im Prozess – je nach Stimmung, Intuition und dem, was sich gerade richtig anfühlt. Ich lasse mich gern überraschen, wohin sich eine Idee entwickelt.
Sind deine Arbeiten eher analog oder digital?
Ich bewege mich ganz selbstverständlich zwischen beiden Welten. Collage ist dabei eines von vielen gestalterischen Stilmitteln, die ich nutze. Bei angewandten Projekten arbeite ich meist digital, bei freien Projekten darf es auch analog werden. Entscheidend ist für mich nicht die Technik, sondern was sich damit gestalterisch umsetzen lässt.
Wie beschreibst du deinen Stil?
Meine Bildwelt ist verspielt, farbenfroh und voller Energie. Manchmal gerne etwas schräg und sehr häufig mit Augenzwinkern.
Wie definierst du deinen persönlichen Begriff von Kunst?
Kunst kann Gefühle sichtbar und Stimmungen erlebbar machen. Ich möchte Menschen mit meinen Bildern in andere Welten mitnehmen, sie emotional berühren, überraschen oder zum Schmunzeln zu bringen. Wenn etwas im Kopf oder im Bauch hängen bleibt, ist schon viel passiert.
LaLoocka
Wie bist du zur Collage gekommen?
Durch mein Design-Studium an der HfK Bremen.
Was fasziniert dich an Collage?
Das Spiel mit Proportionen, Schwerkraft und Material.
Mit welchen Materialien arbeitest du oder wo findest du sie?
Ich verwende ausschließlich gebrauchte Materialien, wie ausrangierte Magazine, recycle Papier, Karton, Holz, Stoffe uvm. was in meinem Atelier übrig bleibt.
Was ist dein Lieblingskleber?
Fixogum.
Entstehen deine Arbeiten geplant oder spontan?
Immer geplant-spontan.
Sind deine Arbeiten eher analog oder digital?
Ich arbeite analog.
Wie beschreibst du deinen Stil?
Surreal & fragmentiert, farbenstark & kontrastreich, ästhetisch anziehend, inhaltlich unbequem.
Wer oder was inspiriert dich?
Selbstbestimmung & Empowerment, Diversität & Gleichberechtigung
Wie definierst du deinen persönlichen Begriff von Kunst?
Die Freiheit, Bestehendes neu zusammenzusetzen, Gewohntes infrage zu stellen und Gefühle,
Gedanken und Persönlichkeit sichtbar zu machen.
Kurz gesagt: für mich bedeutet sie Individualität, Freiheit und Experimentierfreude.
Für mich ist Kunst auch eine Haltung. Es geht darum, Entscheidungen zu treffen, Konventionen zu hinterfragen und den Mut zu haben, eine eigene Sicht auf die Welt zu zeigen. Gerade in meinen Collagen geht es darum, vorhandene Bilder aus ihrem gewohnten Zusammenhang zu lösen und ihnen eine neue Bedeutung zu geben.
Was sagst du zu KI in der Kunst?
Die entscheidende Frage für mich ist nicht, ob KI Kunst machen kann, sondern was wir Menschen mit unseren Bildern ausdrücken wollen – und wofür wir stehen. Mich interessiert vor allem der Prozess: Suchen, Finden, Ausschneiden, Verwerfen und Zusammenfügen.
Katrin Adler
Wie bist du zur Collage gekommen?
Meine ersten Collagen sind während meines Designstudiums vor 20 Jahren entstanden. Ich habe sie schon immer für Moodboards in meiner Arbeit genutzt. In den letzten 7 Jahren habe ich gezielt an einer eigenen künstlerischen Bildsprache gearbeitet.
Was fasziniert dich an Collage?
Mich fasziniert, wie Papierreste und Fundstücke unerwartet miteinander in Beziehung treten und ich mit Material, das schon da ist, meine eigene Sicht auf meine innere Welt zeigen kann.
Was ist dein Lieblingskleber?
Prittstift und Liquitex Matte Medium
Wie beschreibst du deinen Stil?
Meine Arbeiten sind abstrakt, grafisch, lebendig, farbstark und poetisch. Sie sollen für mich Komplexität halten und zugleich etwas Helles, Lebendiges in die Welt bringen.
Wer oder was inspiriert dich?
Ich schaue mir gern das Leben und Arbeiten anderer Künstlerinnen an, weil ich es spannend finde, wie Frauen ihr Leben und Werk aufgebaut haben und diesen Lebensentwurf gebacken bekommen. Meine Inspirationen hole ich mir aus meiner Umgebung, zum Beispiel den Farben meiner Wildblumenwiese, von Plakatwänden in der Stadt und von grafischen Papieren, die mir in die Hände fallen.
Wigmar Bressel
Wie bist du zur Collage gekommen?
Durch meinen Vater. Der war zwar Historiker, jedoch sehr musisch veranlagt und hat das ausgelebt: Collagen, Linolschnitte, töpfern, Skulpturen, Jahreskalender für meine Mutter, Zeichnungen, zeitgenössische Lyrik und Prosa… Collagen hat er seit den 1960er Jahren gemacht und die Meisten seiner Publikationen selbst gestaltet – von der Seitenzahl bis zu den Grafiken. Und als meine beiden Geschwister und ich alt genug waren, so Anfang der 1980er Jahre, da gab es halt mal ein Collage-Wochenende für alle. Als ich nach seinem Tod sein Arbeitszimmer aufgelöst habe, fand ich etwa 4000 Seiten aus Zeitschriften vor, die er seit den 1970er Jahren gesammelt, ausgerissen und aufbewahrt hatte, um daraus Collagen zu machen. Überlebt hat immerhin Eine aus den 1960ern, die er gerahmt in seinem Zimmer hängen hatte – und natürlich die vielen gedruckten Sachen.
Was fasziniert dich an Collage?
Ich liebe PopArt. Und die Collage und die PopArt sind ja sehr eng miteinander verbunden. Allerdings arbeite ich am Computer und schneide Digitalcollagen, die ich in verschiedenen Techniken dann drucken lasse – auch wieder digital oder als klassischen Siebdruck. Manchmal geht es ganz schnell von der Hand, weil ich eine Idee im Kopf habe – und manchmal braucht es Stunden, bis es sitzt und ich zufrieden bin, kennt ja jeder.
Mit welchen Materialien arbeitest du oder wo findest du sie?
Ich komme aus dem Text, habe mich dann zum Fotografen weiterentwickelt und meine Bilder entstehen überwiegend auf der Basis von Fotos, die ich selbstgemacht habe. Zunächst als digitale Mehrfachbelichtungen und Verschiebungen, farbverändert – und dann eben auch kopiert, gespiegelt, anders wieder aneinandergesetzt; halt eine Collage.
Da ich mich – von dem, was ich veröffentliche – ausschließlich mit Produktionsprozessen, Produkten und Produktionsgebäuden beschäftige, kommt es mir sehr darauf an, dass diese in ihrer Idee nicht entstellt oder beleidigt werden. Die Menschen haben sich im Rahmen des Fotografierens für mich Zeit genommen, und da will ich sie nicht bloßstellen. Allerdings verstehen die meisten Protagonisten hinterher meine Arbeit nicht – aber das macht ja nichts. Andere Menschen wiederum werden dadurch angeregt und so findet der gezeigte Handwerker Verständnis und Begeisterung, von denen er gar nichts weiß.
Entstehen deine Arbeiten geplant oder spontan?
Am Längsten suche ich nach der Idee, würde ich sagen. Also geht es geplant los – aber endet häufig aus einem Bauchgefühl und ganz anders, als ich losgegangen bin. Wichtig ist das Gefühl, das ich während des Prozesses entwickle. Ich höre dabei gerne Synthesizer-Popmusik, da ich ja aus meiner Sicht PopArt mache und mich irgendwie in die Kreativität einschwingen muss. Meine Projekte haben seit einigen Jahren Audiologos. Mein Wirtschaftsblog vier Töne von Haydn – und den beauftragten Filmmusikkomponisten habe ich dann gebeten, für die Homepage des PopArt-Projekts davon eine Pet-Shop-Boys-Version zu machen. Und danach dann einen Klingelton für mein Handy, in zwei Versionen hintereinandergeschichtet. Und so arbeite ich dann auch bei meinen Bildern: Erstmal drei Versionen, eine Art Tryptichon, die ich dann in Ausstellungen zeige. Davon anschließend Ableitungen und Veränderungen. Farbumkehr, neue Ausschnitte. Ein Ursprungsfoto wird in Abständen immer wieder verändert. Diesen Prozess zeige ich in der Bremer Ausstellung.
Sind deine Arbeiten eher analog oder digital?
Also meine Arbeiten sind in der Regel digital. Obwohl ich ansonsten ein sehr analoger Mensch bin. Ich lehne dieses ganze KI-Thema ab. Ich glaube an den meisten Tagen an den Mensch als wundervolle Entwicklung des Kosmos, an seine Kreativität und Empathie, an seine Wärme und Fähigkeit zur Liebe. Und an seine Mitverantwortung für alles. In meinem Haushalt kann ich über alle Dinge sagen, weshalb ich sie besitze und gekauft habe oder warum ich sie mir genauso habe anfertigen lassen – vom Kaffeebecher bis zum Möbel.
Wie beschreibst du deinen Stil?
Farbenfroh und poppig, positiv und ein Angebot.
Wer oder was inspiriert dich?
Natürlich meine Biografie und die vielen interessanten Erlebnisse, die ich hatte. Wenn man Antoine de Saint-Exupérys Begeisterung für das Fliegen verstehen will, dann muss man selbst in der Kanzel, zumindest auf dem Copiloten-Sitz gesessen haben. Nachtflüge über Deutschland, der Sternenhimmel, stundenlanger Flug über die Sahara, über das Meer. Verstehen, dass unser individuelles Leben für das große Ganze ziemlich relativ ist. Und die allermeisten Streitigkeiten vollkommen sinnlos. Das Firmament erklärt sich von selbst, wenn das Licht am Boden verschwunden ist und man über den Wolken. Das schafft nicht unbedingt Demut – aber in mir Weite, die für kreatives Schaffen notwendig ist. Alles ist möglich.
Wie definierst du deinen persönlichen Begriff von Kunst?
In der Kunst bricht sich der Mensch in uns bahn. Es ist sicher einer der Wege, um uns – das was wir denken und fühlen und glauben – auszudrücken. Wir können Beuys nicht dankbar genug sein, dass er uns seine Sicht auf uns gegeben hat. Er war ja auch ein Flieger.
Was sagst du zu KI in der Kunst?
Mich interessiert nur die Meinung von Menschen. Genaugenommen bin ich vom Mensch fasziniert. Diesen ganzen KI-Kram lehne ich ab. Ich halte es auch für eine große Ablenkung. Es fängt bei Urheberrecht und Nutzungsrechten an – und endet für mich in der Frage, weshalb ich mich mit der statistischen Berechnung eines Computerprogramms beschäftigen soll, mit seinen leblosen Texten und Bildfakes der Wahrscheinlichkeitsrechnung, die aus dem Nichts kommen und nichts bedeuten, weil ein Computerprogramm nunmal keine Meinung hat; es ist ja kein Wesen. Es kann dem Kant‘schen Imperativ nicht folgen. Es interessiert sich auch nicht dafür.
Meine Prognose für die Zukunft ist, dass sich verschworene Netzwerke entwickeln werden, die den KI-Mainstream als innere Haltung radikal ablehnen und demensprechend anders leben werden.
Im Prinzip ist der KI-Wahn eine Weiterentwicklung von Internationalisierung und Globalisierung, die nun rächend zu uns zurückkommt und unsere bisherige Kultur vernichten wird. Insofern waren die ‚Terminator‘-Filme und nochmehr die ‚Matrix‘-Filmtrilogie vor 25 Jahren eine der philosophischsten zeitgenössischen Umsetzungen der Dystopien von ‚1984‘ und ‚Schöne neue Welt‘ auf unsere Zeit. Beim Aufkommen von ‚Amazon‘ konnten wir es ahnen, dass da etwas anläuft – und jetzt müssen wir mit Kunst dagegenarbeiten. Denn da wird zwischendurch keine Werbung eingespielt oder für das Tun eine Abozahlung verlangt, die ja auch alle ausschließt, die nicht genug Geld haben. Inhalt ist halt die Waffe gegen alle Systeme. Und Kunst kann von einem Programm glücklicherweise nicht verstanden werden.
Heike Seyffarth
Wie bist du zur Collage gekommen?
Meine Kunststudium enthielt u.a. ein Pflichtmodul Illustration, in dem wir mit vielen Materialien und Techniken experimentierten. Dabei entdeckte ich meine Freude am Kombinieren von Elementen, die auf den ersten (und manchmal auch auf den zweiten) Blick nicht wirklich zusammenpassen. Genau dieses Zusammentreffen des Unerwarteten macht für mich den große Reiz einer Collage aus.
Was fasziniert dich an Collage?
Die unzähligen Möglichkeiten, Materialien, Formen, Farben, Schriften und Bilder zu kombinieren und ihnen durch eine interessante Anordnung Spannung und Bedeutung zu geben.
Mit welchen Materialien arbeitest du oder wo findest du sie?
Buchseiten, Notenpapier, Magazin-Ausschnitte, eigene Fotos… Ich bin Sammlerin und habe immer einen Fundus, auf den ich zugreifen kann.
Was ist dein Lieblingskleber?
Fixogum
Entstehen deine Arbeiten geplant oder spontan?
Spontan
Sind deine Arbeiten eher analog oder digital?
Im Alltag erstelle ich vor allem computergenerierte Kunst (d.h. die Kombination grafischer Elemente mit Hilfe von Computerprogrammen), aber in der Ausstellung zeige ich Analoges.
Wie beschreibst du deinen Stil?
Spielerisch-kombinierend, ich improvisiere gern und lasse mich vom Zufall überraschen.
Wie definierst du deinen persönlichen Begriff von Kunst?
Kunst ist für mich ein Denk- und Kommunikationsraum mit dessen Hilfe wir über unsere eigenen Gedanken hinauswachsen können.
Anja Bieder
Wie bist du zur Collage gekommen?
Gefühlt gestalte ich Collagen, seit ich schreiben kann. Schon sehr früh habe ich Briefe für Freundinnen kreativ gestaltet. Bewusst mit der Collage beschäftige ich mich seit den 1990er-Jahren. Damals habe ich an Buch- und Postkartenprojekten mitgewirkt. Auch während meines Studiums zur Diplom-Kunsttherapeutin habe ich mit der Collagetechnik gearbeitet und eine Hausarbeit über Hannah Höch geschrieben.
Was fasziniert dich an der Collage?
Ich liebe das Entdecken. Für mich ist es ein bisschen wie Pilze suchen: In einer großen Menge Papier plötzlich genau den einen Schnipsel zu entdecken, der unbedingt verwendet werden möchte, und daraus dann ein Bild entstehen zu lassen.
Mich fasziniert der gesamte Prozess – die Achtsamkeit bei der Auswahl, das Abwägen und Entscheiden bis hin zum unwiderruflichen Festkleben. Es ist für mich immer wieder aufregend, neue Bildwelten zu erschaffen und dabei zu entdecken, wohin mich der Prozess führt.
Mit welchen Materialien arbeitest du und wo findest du sie?
Ich arbeite mit ganz unterschiedlichen Materialien, zum Beispiel mit Tapeten, Zeitschriften, Büchern und Verpackungen. Für besondere Tapetenstücke schaue ich mich manchmal sogar in leerstehenden Häusern um. Vieles entdecke ich auf Flohmärkten, anderes bekomme ich von Freundinnen geschenkt, die wissen, dass ich mich über besonders schöne Fundstücke freue.
Was ist dein Lieblingskleber?
Einen Lieblingskleber habe ich nicht.
Entstehen deine Arbeiten geplant oder spontan?
Es gibt durchaus einen kleinen planerischen Anteil. Das fertige Bild entsteht jedoch aus vielen spontanen Entscheidungen. Oft entwickelt sich eine Arbeit erst im Prozess und nimmt dabei eine Richtung an, die ich zu Beginn noch gar nicht absehen konnte.
Sind deine Arbeiten eher analog oder digital?
Ich arbeite ausschließlich analog. Das unmittelbare Arbeiten mit Papier, das haptische Erleben der Materialien und das Zusammenfügen der einzelnen Elemente sind für mich wesentliche Bestandteile meines künstlerischen Prozesses.
Wie würdest du deinen Stil beschreiben?
Erzählerisch, geheimnisvoll und humorvoll.
Wer oder was inspiriert dich?
Inspiration finde ich in Ausstellungen, in meinem unmittelbaren Umfeld, in zwischenmenschlichen Interaktionen und persönlichen Begegnungen. Besonders interessieren mich die Fragen und Gedanken, die daraus in mir entstehen. Dabei werden häufig unbewusste Eindrücke und innere Prozesse ins Bewusstsein gehoben und eröffnen neue Perspektiven, die manchmal in meine künstlerische Arbeit einfließen.
Wie definierst du deinen persönlichen Kunstbegriff?
Kunst lädt dazu ein, nachzudenken, Fragen zu stellen und eigene Perspektiven zu reflektieren. Sie bedeutet für mich auch die Freiheit, sich auszudrücken, ohne verstanden werden zu müssen. Gleichzeitig kann Kunst Aufmerksamkeit schaffen, Themen sichtbar machen und Menschen oder Anliegen eine Stimme geben und zu Gesprächen anregen. Kunst kann auch einfach nur unterhalten.
Was sagst du zu KI in der Kunst?
Ich sehe künstliche Intelligenz vor allem als ein Werkzeug für Menschen, die daran interessiert sind, die technischen Möglichkeiten auszuloten und damit zu experimentieren. In meinem eigenen künstlerischen Prozess hat KI keinen Platz. Mir geht es um die unmittelbare Auseinandersetzung mit dem Material, um das Haptische.
Kritisch sehe ich auch, dass Kreative ihre eigenen Ideen und gestalterischen Fähigkeiten in KI-Systeme einbringen, die langfristig dazu beitragen können, genau diese kreativen Leistungen zu ersetzen. Ich frage mich, ob wir damit nicht Gefahr laufen, unser eigenes kreatives Berufsfeld und die Grundlagen unserer Arbeit zu untergraben.










