Arbeiten – Von Job bis Berufung

Ausstellung im Creative Hub Bremen

„Die große Frage, die man sich stellt, ist folgende: Warum arbeitet der Mensch? Woher kommt es, dass er in der gesellschaftlichen Ordnung einen bestimmten Platz einnimmt und bereit ist, an diesem Platz zu bleiben und seine Aufgabe zu erfüllen?“ (M. Houellebecq in „Karte und Gebiet“)

Vivien Catharina Altenau, Ullrich Altmann, Rando Bratek, Wolfgang Everding, Markus Hallaschka, Gisela Hegemann-Mahltig, Daniel Hochgürtel, Volker Homburg, Dörte Kamermann, Brigitte Ogiolda, Mirja Raissi, Manfred Schlösser, Heike Seyffarth und Andreas Wick zeigen Werke der Malerei, Zeichnung, Fotografie und Konzeptkunst, die verschiedene Perspektiven des Themas „Arbeiten“ aufgreifen und weiterentwickeln.

Zur Eröffnung am Donnerstag, 05.09.2024, 18 Uhr laden wir herzlich ein.

Ausstellung: 05.09. – 28.11.2024
Öffnungszeiten: Mo-Fr 9-21, Sa 11-21, So 12-19 Uhr
Ort: Creative Hub, Friedrich-Karl-Str. 54, 28205 Bremen

Salon „Kunst & Arbeit“ mit Heike: 28.11.2024, 18 Uhr, Creative Hub, Raum 0048

Einladung

Einführung in die Ausstellung

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Der Creative Hub Bremen bietet HandwerkerInnen, KünstlerInnen, Startups und anderweitig kreativ Tätigen nicht nur Arbeits- und Veranstaltungsräume sondern auch zahlreiche Kooperations- und Austauschmöglichkeiten. So entstehen nicht nur interessante Gespräche, sondern auch übergreifende Kontakte, Ideen und gegenseitige Ergänzungsoptionen.

V.i.S.d.P.: Heike Seyffarth, Friedrich-Karl-Str. 54, 28205 Bremen

Who cares?

24/7

Gestern / Heute / Morgen

Einführung in die Ausstellung

Die Frage „Und was machst du?“ erscheint uns beim Aufbauen neuer Bekanntschaften relativ normal. Dass diese Frage nicht befremdlich wirkt, zeigt wie wichtig in unserer Gesellschaft die Erwerbsbiografie ist – in anderen Kulturen fragt man gern zuerst nach der Familie.

Der Ausstellungstitel regt zum Nachdenken an: Was ist eigentlich Arbeit? Ist es das, was man tut, oder das, was getan werden muss? Leben wir, um zu arbeiten, oder arbeiten wir, um zu leben? Wie steht es um die Work-Life-Balance? Löst die 4-Tage-Woche alle Probleme? Was ist mit Care-Arbeit, Solidarität und systemrelevanten Berufen in Zeiten des Fachkräftemangels?

Früher war klarer, was jemand tat. Nachnamen künden davon: Schneider, Müller, Zimmermann. Aber wird es in Zukunft Namen wie „Scrum Master“ geben? Neue Berufe sind oft schwer zu erklären – „etwas mit Computern“ wird vereinfachend gesagt. Wie sich Berufe verändern, sehen wir am Beispiel des Briefträgers: ein früher geachteter Staatsbeamter ist heute oft eine prekär beschäftigte Teilzeitkraft.

Wikipedia definiert Arbeit als Tätigkeit zur Einkommenserzielung und zur Erfüllung der Bedürfnisse anderer. Ein Beruf ist auf Erwerb gerichtet, der Begriff „Berufung“ stammt aus der Bibel. Heute sprechen wir von „Berufung“, wenn die Arbeit Sinn gibt. Ein „Job“ hingegen wird oft nicht ernst genommen. Arbeiten wir nur fürs Geld oder wollen wir mehr? Während der Pandemie wurden systemrelevante Berufe anerkannt – es wurde geklatscht! Doch beispielsweise Care-Arbeit, oft von Frauen geleistet, wird weder angemessen bezahlt noch gewürdigt. Sie ist oft unsichtbar und der Satz „Meine Mutter arbeitet nicht“ sagt viel aus. Frauen verdienen im Durchschnitt immer noch weniger, eine Tradition seit dem 19. Jahrhundert, als Arbeiterinnen billiger waren.

Die globale Arbeitsteilung ist komplex. Wir wissen selten, wie viele Menschen an der Herstellung unserer Dinge beteiligt waren, seien es Jeans oder Brot. Und die Anforderungen an uns selbst steigen: Wir sollen Möbel zusammenbauen, Software updaten und digitale Prozesse bewältigen. Autor Kester Schlenz beschreibt in „Ich komm da nicht mehr mit“, wie die digitale Welt ihn in den Wahnsinn treibt.

Bei der Berufswahl spielen Faktoren wie Gehalt oder Status mit, aber vielen Menschen ist inzwischen auch die Work-Life-Balance wichtig – während andere vom Lohn der 40-Stunden-Wochen kaum noch leben können. Sie fragen sich, ob sich Leistung noch lohnt und was ist der Sinn ihrer Arbeit ist. Aber wie soll Arbeit entlohnt werden: gleicher Lohn für alle, nach Hierarchie, nach Zeit oder Leistung? Funktionieren die traditionellen Modelle noch? Ist nur bezahlte Arbeit „richtige“ Arbeit? Muss man Karriere machen? Was gibt uns wirklich Erfüllung?

Die Ausstellung zeigt viele Aspekte der Arbeit. Dörte Kamermann und Daniel Hochgürtel thematisieren die Entwicklung von der Landwirtschaft zur modernen, computergestützten Bewirtschaftung. Rando Bratek und Markus Hallaschka stellen Berufstätige aus Mittel- und Südamerika vor. Wolfgang Everding zeigt Berufe in verfremdeten Fotos, und Vivien Catharina Altenau thematisiert den Beruf der Schriftstellerin. Brigitte Ogiolda widmet sich arbeitende
Frauen in Indien auf dem Weg in die Selbständigkeit und Andreas Wick stellt uns Berufe der digitalen Welt vor. Mirja Raissi beschäftigt sich mit der Arbeit einer Filmproduktion, Gisela Hegemann-Mahltig thematisiert das Verhältnis von Arbeit und Zeit. Ullrich Altman bearbeitet das Spannungsfeld zwischen Arbeit und Leben und Volker Homburg
eine Meditation über das Homeoffice zwischen Tun und Nichtstun. Manfred Schösser widmet sich der Rolle der Arbeit für die Menschheitsentwicklung und Heike Seyffarth stellt unser Verhältnis zur Arbeit grundsätzlich in Frage.

Einige Ausstellende haben bereits Teile des Herstellungsprozesses ihrer Werke an Künstliche Intelligenz ausgelagert. Besucher können raten, welche das sind.